Wir von der Kinder- und Jugendgruppe Hamburg im BdS e.V. sind inzwischen gar nicht mehr dazu in der Lage, klassische Texte mit Absätzen und ausformulierten Sätzen zu verfassen. Der diesjährige Bericht vom traditionellen Bauernhofwochenende erfolgt erstmalig im Stil einer Aufzählungsliste:

1. Das Bauernhofwochenende 2019 brach sämtliche Rekorde:

  • für das heißeste Wetter seit Einführung des Bauernhof-Wochenendes im Jahre 2014 mit Sonnenschein und angenehmen 30 Grad Celsius.
  • für die meisten Teilnehmer: es kamen sage und schreibe 53 Personen!
  • für die kürzeste Vorstellungsrunde aller Zeiten: die Familien wurden von Ines mit dem Nachnamen aufgerufen und durften in die Runde lächeln und winken.
  • B., N. und Nele (nachfolgend: das Wachbleibe-Trio) brechen den Rekord fürs am längsten wach bleiben: um 3.33 Uhr (2018 war es 1.45 Uhr) machten sie das Licht aus und verschwanden in ihren Höhlen. Nächstes Jahr wird’s dann wohl 4.44 Uhr werden oder ist das etwa zu ambitioniert?

2. Bereits auf der Hinfahrt wurden erste neue Gebärden gelernt: Nele lernte die Gebärde für „peer group“, das zu Ines Lieblingswörtern zählt und wunderbar in die Gruppe ihrer anderen Lieblingswörter passt: „Inklusion“, „Empowerment“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“. Nele aber lernte noch mehr: Ines verwendete die Redewendung: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!“ und fiel buchstäblich aus allen Wolken, als sie erfuhr, dass Nele die berühmte Redewendung nicht kennt. Für alle Unwissenden, wie Nele, es bedeutet einfach: „Ich habe keine Ahnung.“

3. Im Anschluss erfolgte die „same procedure as every year” (vgl. „Dinner for One“), in der die Familien ihre Zimmer bezogen, im Anschluss lecker Kaffee & Kuchen schnabulierten und nach einer sehr kurzen Vorstellungsrunde zum Reiten und Angeln aufbrachen.

4. Das Bauernhofwochenende 2019 brach auch den Rekord für die meisten Neuheiten:

  • Zum ersten Mal hatten wir eine sehr homogene Mischung aus gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Teilnehmer*innen. Hoch lebe die Diversität oder wie Ines es so schön sagen würde: „Das ist gelebte Inklusion!“
  • Im Zuge dessen war auch die Unterstützung von Kommunikationsassistentin und angehende Gebärdensprachdolmetscherin C. neu, die für uns das Gesagte in Gebärdensprache oder das Gebärdete in gesprochene Sprache übersetzte.
  • Für die Angelfreunde unter uns gab es dieses Jahr einen neuen Angelteich im benachbarten Tellingstedt, wo wir anstelle von Forellen furchteinflößend aussehende Welse fangen konnten.
  • Der Reiterhof Drossmann bot dieses Jahr für seine Besucher ebenfalls ein neues Highlight an: Kutschfahrten durch die pittoreske Landschaft von Dithmarschen.

5. Um 19 Uhr gab es ein gemeinsames Abendessen, in dem jeder seine mitgebrachten Sachen selbst auf den Grill legte und genüsslich verspeiste.

6. Nach dem Abendbrot wurde es richtig hyggelig: die Kinder spielten auf dem Hof, die Eltern waren fleißig am Schnattern und das Wachbleibe-Trio spielte eine Runde Bierpong, das den neugierigen Kindern als „Apfelsaft-Pong“ verkauft wurde und bei vorbeigehenden Eltern für ein fettes Grinsen im Gesicht sorgte.

7. Gegen 23 Uhr schrumpfte die Anzahl der wachbleibenden Personen an der riesigen Esstafel und in einer kleinen Runde wurden Gehörlosenwitze erzählt. Ein typischer Gehörlosenwitz ist folgender: „Ein Blinder wird mit seinem Blindenstock beerdigt. Ein Rollstuhlfahrer wird mit seinem Rollstuhl beerdigt. Und wie wird ein Gehörloser beerdigt? Richtig, der Gehörlose wird mit seinem Gebärdensprachdolmetscher beerdigt.“ Dieser Witz ist auch an sich gar nicht komisch, wenn daneben eine angehende Gebärdensprachdolmetscherin sitzt und den Witz übersetzen muss. Nele versuchte ihren Lieblingsgehörlosenwitz über einen Holzfäller (wirklich Nele, schon wieder Holzfäller?) zu gebärden – ging etwas schief, aber ihr könnt ihn gern auf YouTube anschauen: https://youtu.be/L-3GxazfIw8?t=71

8. Eltern von hörbehinderten Kindern nutzten auch die Gelegenheit typische Verhörer ihrer Kinder zu erzählen. Eine Mama berichtete, dass ihr Sohn und sie früher oft das Kinderbuch „Alexander und die Aufziehmaus“ gelesen haben. Eines Abends fragte der Sohn seine Mama: „Mama, können wir heute wieder ‚Alexandra und die Ausziehmaus‘ lesen?“ Gut, dass das Kind es nur im hauseigenen Wohnzimmer laut ausgesprochen hatte. In der Öffentlichkeit hätte es sicherlich zu komischen Blicken anderer Leute geführt. Die Konsonanten [f] und [z] präzise herauszuhören und zu differenzieren ist für einen Schwerhörigen wortwörtlich wirklich schwer.

9. Teilnehmerin M. wurde schon vorzeitig aus ihrem Schönheitsschlaf geweckt. Sie hatte versprochen dafür zu sorgen, dass überall in den von uns genutzten Räumen das Licht aus ist. Als M. um 3.33 Uhr feststellte, dass das Licht immer noch an war, erschrak sie sich, als sie beim Ausmachen des Lichtes auf das Wachbleibe-Trio antraf. Dabei erntete sie prompt von Nele ein Lob über ihr schönes Nachthemd (Micky Maus-Motiv, war sehr niedlich!). Zusammen mit dem Wachbleibe-Trio ging sie wieder ins Bett und fuhr ihren Schönheitsschlaf fort.

10. Das Kikeriki um 6 Uhr morgens schreckte sicherlich nur hörende Eltern & Kinder aus dem Bett. Die tauben Erwachsenen & Kinder hatten Glück und blieben davon verschont (schätzungsweise über die Hälfte der Teilnehmer). Man muss ja auch Vorteile haben. 🙂

11. Nach dem Frühstück hieß es Abschiednehmen. Einige verließen den Hof schon etwas früher, während andere noch bis zum Mittagessen blieben und einen letzten gemeinsamen Ausritt genossen. Danke, liebe Familie Drossmann, dass wir eine schöne Zeit auf eurem Hof verleben durften. Wir kommen wieder! Ihr könnt euch gern – unter Vorbehalt – das Wochenende vom 5.-6. September 2020 schon mal in euren Terminkalendern eintragen. Weitere Details folgen im Frühjahr 2020.

Zu guter Letzt noch ein paar Impressionen:

Fotos: M.H., Ines Helke, Nele Möller

Kategorien: Archiv 2019