„Unser Zug wurde gestoppt, wir stehen in der Pampa und sollen in Busse umsteigen, die kommen aber nicht“. Sowas lesen Jugendleiter gerne, wenn sie gerade dabei sind, eine bunt gemischte Gruppe junger Schwerhöriger aus ganz Norddeutschland und sogar darüber hinaus einzusammeln und trockenen Fußes auf eine Insel zu befördern… Unsere Fahrt nach Norderney endete also vorerst am Bremer Hauptbahnhof. Aber hatten wir unserer diesjährigen Freizeit nicht das Motto „Reif für die Insel“ verpasst? Selbst schuld, jetzt waren wir es endgültig. Ein paar Stunden und Kuchenstücken später hatten die Hannoveraner es auch geschafft, zu uns zu stoßen und die Fahrt nach Norddeich zum Fähranleger konnte weitergehen. Hier stießen wir nicht nur auf die letzten Teilnehmerinnen, die unsere kleine Reisegruppe vervollständigten, sondern erwischten auch noch die letzte Fähre des Tages. Puh, Glück gehabt! Deutlich erleichtert schipperten wir dem Sonnenuntergang entgegen nach Norderney. Die Überfahrt wurde bereits für eine erste Vorstellungsrunde genutzt, denn neben bekannten waren auch einige neue Gesichter dabei. Selfies und Gruppenfotos vor malerischen Sonnenuntergang durften natürlich auch nicht fehlen – dies sollte sich in den nächsten Tagen zum allabendlichen Ritual entwickeln.

Der nächste Morgen begrüßte uns mit strahlenden Sonnenschein. Trotz der langen Anreise am  Tag zuvor waren alle pünktlich erschienen. Das hätte Ines uns nicht zugetraut – und uns am Vorabend prompt eine Stunde früher einbestellt als wir wirklich los mussten. Für unseren ersten Tag auf Norderney stand Umweltbildung auf dem Programm. Norderney gehört zum Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe Niedersächsisches Wattenmeer, wie uns die nette Dame vom Nationalparkzentrum erklärte. Während einer Radtour zu den wichtigsten Lebensräumen der Insel zeigte und erklärte sie uns lebendig und anschaulich die hiesige Flora und Fauna. Nebenbei lernten wir auf diese Weise gleich die ganze Insel kennen: Vom Hafen ging es zu den Salzwiesen im Süden durch die Dünen bis an den Strand. Auch den berühmten Leuchtturm von Norderney haben wir erklommen.

Am Anschluss an die Führung hatten wir ein bisschen Freizeit. Während einige zur Mittagspause in die Jugendherberge zurückradelten, erkundeten andere in kleinen Gruppen das Städtchen und bummelten durch die Geschäfte. Nachmittags trafen wir uns alle in einem Cafe wieder. Unserem Kassenwart Klaus saß das JuGru-Portemonnaie locker und so langten wir alle ordentlich zu und verbrachten entspannte Stunden bei Eis und Kuchen. Nach dem Abendessen in der Jugendherberge – ja, die Mahlzeiten gingen tatsächlich geradezu nahtlos ineinander über – machten wir uns auf zum Norderneyer Place-to-be bei Sonnenuntergang: der Promenade am Strand. Hier wurden wiederum fleißig kitschig-schöne Fotos geschlossen, bevor wir schließlich in einer Bar landeten und den Abend ausklingen ließen.

Am Samstag stand zunächst wieder ein bisschen Brainfood auf dem Plan. Ines referierte zum Thema Schule, Ausbildung und Berufsleben mit Hörbehinderung und informierte darüber, welche Hilfsmittel und Unterstützungen uns im Alltag zustehen, wie und wo man diese beantragt usw. Einige Teilnehmer berichteten von ihren eigenen Erfahrungen in Schule und Beruf, so entstand ein Austausch über typische Probleme und Lösungsmöglichkeiten. Auch ein Rollenspiel zur Demonstration von Telefondolmetscherdiensten durfte nicht fehlen (Ines ruft beim Amt an und meckert, warum ihr Antrag abgelehnt wurde – gaaanz unrealistisches Szenario ;-). Im Anschluss berichtete Laura, die regelmäßig in der bundesweiten Schwerhörigenszene unterwegs ist, von Angeboten für junge Hörbehinderte jenseits der Hamburger Stadtmauern.

Nach so viel Rumsitzen und Reden lockte uns die unvermindert strahlende Oktobersonne am Nachmittag wieder an den Strand. Nach einem mehr oder weniger langen Strandspaziergang, abhängig davon ob man mehr oder weniger Hunger hatte und mehr oder weniger schnell ins Eiscafe mit Meerblick wollte, stand die nächste Schlemmerrunde an. Am Abend entschieden wir uns, das Jugendherbergsessen links liegen zu lassen (Wer will schon Eintopf essen bei dem Wetter? Der November kommt schon früh genug!) und uns stattdessen eine ordentliche Pizza zu gönnen. Gesagt- getan. Anschließend ging es wie schon am Abend zuvor zum Sundowner auf die Promenade. Das macht man einfach so auf Norderney! Diesmal tranken wir unserem Schlummertrunk direkt am Meer mit Blick auf die untergehende Sonne und dem Rauschen der Nordsee in den Ohren – habe ich schon das Wort kitschig-schön erwähnt?

Am Sonntagmorgen stand leider schon der Abschied von der Insel bevor. Während einige Teilnehmer mit weitem Heimweg bereits früh morgens zur Fähre aufbrachen, nutzen andere die Chance, einen letzten Vormittag auf Norderney zu verbringen. Nach einem Strandspaziergang trafen wir uns schließlich am Hafen und besuchten die interaktive Ausstellung im Wattenmeer-Besucherzentrum WattWelten. Die Bildung sollte ja nicht zu kurz kommen… Aber schließlich war es auch für die letzten Teilnehmer Zeit, Abschied zu nehmen und die Heimreise anzutreten.

Strand und Meer, Sonne satt und eine ordentliche Café-Pizzaria-Infrastruktur – besser hätten wir es mit unserem diesjährigen Freizeitwochenende nicht treffen können. Auch für das kommende Jahr ist wieder ein langes Freizeitwochenende fest eingeplant – seid ihr (wieder) dabei?

Fotos: Ines Helke, Julius Jung, Nele Möller

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